Musik zur Liebe bis zum Tod - Artikel




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Musik zur Liebe bis zum Tod - Artikel

Beitragvon christvsnaps » Mi 16. Jan 2019, 17:26

Musik zur Liebe bis zum Tod

„Wie im Himmel“: Das Altonaer Theaterensemble und der Chor Capriccio boten im Kreuznacher Kurhaus ein (musikalisches) Schauspiel, das zu Herzen ging.

BAD KREUZNACH - Die Bühnengestaltung im großen Kursaal des Parkhotel Kurhaus eher reduziert gehalten, an der Wand die Anmutung eines wunderbar leuchtenden blauen Himmels mit weißen Schäfchenwolken, ein davor stehender und den Zuschauern den Rücken zudrehender, fast schon ekstatisch zu nennender Dirigent, der mit beiden Füßen im Hier und Jetzt steht, sein Schatten aber geht über in das Himmelblau. Ein Vorzeichen auf sein baldiges Ende? Tatsächlich, der leidenschaftlich agierende Musikschaffende bricht zusammen: Ein schwerer Herzinfarkt als Folge psychischer und physischer Überforderung lässt ihn zusammensacken.

Musik, die verwundete Herzen heilen kann

Mit diesen eindrucksvollen Bildern begann ein Theaterabend der Spitzenklasse. Das Altonaer Ensemble mit dem großartig aufspielenden Georg Münzel als Daniel Daréus spielt „Wie im Himmel“ derart intensiv und anrührend, dass kaum ein Geräusch zu hören ist. Menschliche Dramen ereigneten sich hier in Axel Schneiders Bühnenfassung, einem Schauspiel mit Musik von Kay Pollak. Der schwerkranke Daniel Daréus, ausgebrannt von einer ihn über alle Maßen fordernden Karriere, kehrt in sein kleines schwedisches Heimatdorf zurück, in die „Einsamkeit“, wie er selbst sagt. Doch sogleich wittert der dortige Chor seine Chance. Ihn und nur ihn benötigen die Mitglieder, um sich musikalisch zu verbessern, Neues zu erlernen.

Daniel lehnt zunächst ab, doch es kommt, wie es kommen muss. Natürlich kann er nicht widerstehen. „Ich werde euch zuhören, jeder stellt sich vor“, äußert er, „der eigene Ton, der Glaube an die befreiende Kraft der Musik ist wichtig.“ Daréus träumt von einer Musik, „die verwundete Herzen heilen kann“. Unkonventionell geht er vor, anders eben, die Sänger gewinnen unter seiner Anleitung an Selbstwertgefühl und stimmlicher Kraft. Sie sind infiziert von der Magie, die Daniel in ihr Leben bringt, jeder darf er selbst sein, in sich hören und die eigene Existenz reflektieren.

Während sie immer besser werden, wächst der Argwohn im Dorf gegen „Daniel mit der Fidel“, wie sie ihn einst spöttisch nannten. Der bigotte Pfarrer (Dirk Hoener) und der brutale Conny (Holger Löwenberg) sind die Schlimmsten, sehen sie doch mit Skepsis auf die Veränderungen ihrer Frauen (Anne Schieber und Jasmin Wagner). Daniel und mit ihm die Musik lassen sie aufleben. Holmfrid (Andreas Furcht) kann sich aus seinen Ängsten lösen, und der beeinträchtigte Tore (ganz wunderbar spielend: Yannik Meyer) findet als Tenor Zugang in diesen Chor. Die junge Lena (Angelina Kamp) verzaubert ihn mit ihrer Offenheit und ihrer Haltung. Endlich darf Daniel lieben! Das Glöckchen, dessen Klang ihn all die Jahre am Leben gehalten hat, wird zum Unterpfand dieses Gefühls.

Doch diese Liebe soll nicht von Dauer sein. Bei einem Konzert in Wien, die Chormitglieder stellen sich vor dem blauen Himmel auf, sphärische Musik erklingt, betritt Daniel in einem Smoking die Bühne und stirbt. Leonard Cohens zu Herzen gehendes „Hallelujah“ ertönt und erfasst die Zuschauer, die einstimmen und sich zu Standing Ovations erheben.

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